Hier steht so dies und das, das Euch interessieren könnte. Alle Fragen sind tatsächlich von Lagerbesuchern so gestellt worden - auch wenn die ein oder andere Frage eigentümlich erscheinen mag. ;)

 

 

Was bedeutet Euer Wahlspruch?

Unser Wahlspruch "Vivat iurisdicia - longius iustitia" ist kein klassisches Latein, sondern Mittellatein. Im klassischen Latein gab es nur die "Iustitia", also die Gerechtigkeit. Das ist die Dame, die man als Statue oft mit verbundenen Augen und einer Waage in der Hand sehen kann.

Das heutige Wort der Jurisdiktion, also der Rechtssprechung, leitet sich von "ius dictio", dem gesagten Gesetz ab. Und so haben wir auch unseren Wahlspruch übersetzt:
Er bedeutet: "Lang lebe die Rechtssprechung - aber länger lebe die Gerechtigkeit"

Und wieso Rechtssprechung und Gerechtigkeit? Weil wir das Stapellager sind! Und das erklärt wohl am besten die folgende Frage.

 

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Was heißt eigentlich "Stapellager?"

Ihr werdet Euch wundern: Es gibt gleich mehrere Bedeutungen. :)

 

Seit dem 8. Jahrhundert war es üblich, daß in ländlichen Gegenden die Gerichtsverhandlungen im Freien stattfanden: Unter der Gerichtseiche (oder der Gerichtslinde, die zusammen mit der Waage auch unser Wappen ziert) stand der Gerichtstisch, und der wurde "Stapel" genannt. Wir sind also ein "Gerichtslager". Und auf Märkten halten wir denn zur Belustigung des Volkes - aber natürlich vornehmlich zur Wahrung des Marktfriedens! - Gericht.

 

Aber vielleicht ist Euch aufgefallen, daß Andreas "Meier zu Stapellagen" und nicht etwa "Meier des Stapellagers" heißt. Das liegt daran, daß es im Mittelalter im Bereich des heutigen Lage/Lippe einen Ort gab, der "Stapellage" hieß.

Stapellage war im Hochmittelalter eine Curtis (also ein Verbund von Höfen) im Bereich des heutigen Lippe.
Das erste Mal wird Stapellage im 12. Jahrhundert erwähnt, nämlich genau im Jahre 1185, aus dem es eine Urkunde des Bischofs von Paderborn gibt. Obwohl das die früheste urkundliche Erwähnung von Stapellage ist, ist die Siedlung älter: Ausgrabungen belegen, daß die erste Kirche von Stapellage um 800 entstanden sein mußte. Die Curtis Stapellage muß also noch vor 780 entstanden sein.

 

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Hat es die Personen, die Ihr darstellt, wirklich gegeben?

Ja und Nein.

Da Andreas auch im wahren Leben aus diesem Gebiet kommt, stellt er nun den Meier (also Gutsverwalter) und Jagdhüter von Stapellage dar. Einen solchen hat Stapellage mit Sicherheit immer wieder gehabt. Ob unter den Meiern von Stapellage nun ausgerechnet ein Andreas war, wissen wir leider nicht.

 

Elisabethe de Waddenhusen und Hilthegunthe de Vogelsange - die beiden schrecklichen Schwestern - sind hingegen urkundlich belegt. In einem Freibrief des Edelherren Simon I. zu Lippe vom 6.7.1330 wird den Schwestern Hiltegunthe de Vogelsanghe und Elisabethe de Waddenhusen bescheinigt, daß sie niemandem eigenbehörig - jure servitutis adstricte - sondern frei und der Capelle zu Stapellage wachszinsig seien, und wie die Capelle unter seinem Schutz stehen.

 

Alle anderen Personen sind unserem kranken Hirn entsprungen - über Knechte und Mägde gibt es natürlich auch keine Urkunden. Aber solche wie uns wird es damals schon gegeben haben.

 

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Wann lebtet Ihr und wer herrschte da?

Unsere illustre Gesellschaft versammelt sich ca. im Jahre 1335.

 

Eine Zeit voller Ideale der Minne und des Rittertums ... noch. Denn in wenigen Jahren beginnt die Herrschaft des schwarzen Todes: Ein Drittel der Bevölkerung des heutigen Europas stirbt an der ersten Epidemie seit sechshundert Jahren, der Pest, die übrigens erst 1722 ganz aus Europa verschwindet.)

Doch davon wissen wir natürlich noch nichts.

 

Unser Herrscher ist Kaiser Ludwig der Bayer.

Papst war - genau wie heute - ein Benedikt, nämlich Benedikt der XII, er regierte nicht im Rom, sondern in Avignon.

In Lippe herrscht Fürst Simon I zu Lippe (1275-1344)

Und einen Kirchenmann gibt es auch: Der Abt des Klosters Marienfeld, dem nicht nur Stapellage, sondern noch einige weitere Höfe in Lippe, speziell um Lage herum, zinspflichtig waren, war Abt Nicolaus von Münster (1322 - 1344).

 

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Lebt Ihr in Wirklichkeit auch zusammen?

Natürlich nicht. Wir sind im wahren Leben aber sehr gute Freunde und kennen uns schon wesentlich länger, als es das Stapellager gibt. Leider sind wir mittlerweile weit verteilt: Aachen, Köln, das Oberbergische Land. So sind die Lager auch eine gute Gelegenheit, uns zu sehen und Zeit miteinander zu verbringen.

Also, wenn wir nicht gerade Mittelalter spielen, sind wir völlig normal... äh... na ja, vielleicht ein bißchen normal jedenfalls...

 

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Schlaft Ihr wirklich nachts im Zelt? Bei DER Kälte?

Eine der häufigsten Fragen, die Besucher stellen. Und wie beim normalen Camping ist die Antwort: Natürlich tun wir das. Elisabethe schläft sogar am liebsten unter freiem Himmel, sogar bei Regen.

Im übrigen schummeln wir ein bißchen und benutzen nachts neben den im Mittelalter üblichen Warmhaltemethoden (Wolldecken und Felle) auch Schlafsäcke.

 

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Was kocht Ihr denn? Hat man das im Mittelalter auch gegessen?

Wir kochen Nahrungsmittel, die es auch im Mittelalter gab: Getreide, heimische Gemüsesorten und manchmal Fleisch. Und wir kochen auf einem echten Feuer - die Frage "ist das ein echtes Feuer" haben wir tatsächlich auch schon gehört. :)

Fleisch war im Mittelalter beim einfachen Volk eher selten auf dem Tisch. Normalerweise gab es Getreidegrützen, meistens mit Wasser gekocht. Wir kochen sie lieber morgens, und dann mit Milch und Honig - da sind wir dann doch verwöhnt.

Eintöpfe oder Suppen gibt es bei uns auch häufig. Aber keine Kartoffeln, keine Nudeln und kein Reis - das alles gab es damals nämlich noch nicht! Häufigste Gemüse: Zwiebeln, Möhren, Kohlrabi, Rübstiel. Eben das, was man auch heute noch bei heimischen Bauern bekommt. Dazu Graupen in die Suppe, und Bärlauch und Petersilie zum Würzen.

Solche Eintöpfe wurden früher übrigens solange gekocht, bis alles, sogar das Fleisch darin, matschig und zerfasert war und man es als Brei essen konnte. Das wiederum tun wir nicht. Erstens würde es uns nicht schmecken, und zweitens wissen wir ja heute, daß dabei die meisten Vitamine verloren gehen.

Und endlich hat mir auch jemand per Mail mitgeteilt, warum früher im Mittelalter alles so zerkocht wurde. Anscheinend war das eine rein zeitplanerische Sache: Die Suppe wurde des Morgens über's Feuer gehängt und köchelte den ganzen Tag vor sich hin, während die Hausbewohner ihrer Arbeit nachgingen. Abends war dann alles weich gekocht.

Die schlechten Zähne hatten übrigens einen anderen Grund. Beim Mahlen des Getreides mischte sich der Abrieb des Mühlsteins unter das Mehl. Das nutzte die Zähne natürlich enorm ab.

Danke an Jürgen für die Infos!

 

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Und wie rechtfertigt Ihr, daß Ihr raucht?
Ganz einfach: Gar nicht. Natürlich gab es im Mittelalter keine Zigaretten. Und es sind auch nicht alle von uns dem glühenden Räucheropfer verfallen. Wenn man uns auf Märkten darauf anspricht, haben wir aber dennoch immer eine gute Erklärung zur Hand, wie:
"Wir bringen den Göttern ein Rauchopfer dar!" oder

"Wir sind schon seit 669 Jahren tot, wir müssen uns um unsere Gesundheit keine Sorgen machen".

Übrigens raucht mittlerweile auch kaum noch jemand von uns - höchstens Wasserpfeife. :)

 

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Ist das wirklich ein echtes Feuer?

Oh doch, das werden wir durchaus gefragt, und nicht zu selten. Die Antwort lautet: Ja. Mit Holz und Rauch und brennen und alledem. Toll, was?

 

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Muß man bei Euch mit den Fingern essen?

Ja, diese Frage ereilte uns in Wegberg. Die Antwort lautet: Man muß nicht, aber man kann. Auch im Mittelalter wurde mit Besteck gespeist, allerdings meistens mit (eigenem) Messer und Löffel, die man immer dabei haben sollte. Gabeln waren meist unbekannt.

 

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